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2. Rundbrief von Ruth Schulze aus Costa Rica

Grafik1Ein fröhliches Hallo an alle lieben Menschen in Deutschland =)
Erst einmal werdet ihr einen Rundumschlag von meiner Verfassung hier im schönen Costa Rica bekommen:

Ich habe mich nämlich schon recht gut hier eingelebt, fühle mich in meiner Gastfamilie zu Hause und schließe sie immer mehr in mein Herz. An die Zeitverschiebung hat sich mein Körper inzwischen auch angepasst, denn ich kann sehr viel und gut schlafen. Meine Erkältung ist leider immer noch nicht ganz abgeklungen, aber inzwischen nehme ich Medizin und bin guten Mutes, dass sie vergeht.
Am 8.Oktober hab ich mein erstes kleines Erdbeben von ca. 15 Sekunden erlebt. Ich war alleine daheim und wusste anfangs gar nicht wirklich was passiert. Ich stand einfach nur da und hab an die Decke des bebenden Hauses geguckt. Es ist wirklich ein komisches Gefühl, so ein Beben der Erde. Doch Gott sei Dank war es nicht lange und es ist auch nichts passiert. An solche Beben werde ich mich wohl gewöhnen müssen, denn hier in Costa Rica ist das ganz normal.
Das Wetter hier ist sehr wechselhaft: Einen Tag laufe ich in kurzen Hosen und Top rum, den nächsten brauche ich lange Hosen, Pulli und Jacke (Manchmal trägt man auch beides an einem Tag). Doch generell ist es recht warm und wird nie kälter als 15°C, außerdem herrscht hier eine extrem hohe Luftfeuchtigkeit. Die Sonne ist sehr intensiv, der Regen auch .
An das Essen hab ich mich viel mehr gewöhnt, hier gibt es so viele andersartige Geschmäcke, dass man erst einmal alles probieren muss und manchmal erst beim zweiten oder dritten Mal sagen kann, ob es einem schmeckt oder nicht . Morgens und abends esse ich meistens keinen Reis, sondern Cornflakes, Obst oder so eine Art Weißbrot. Aber ich muss sagen, dass mir Reis und Bohnen gut schmecken und mir kaum auffällt, dass ich diese so gut wie jeden Tag esse, ab und zu sogar auch 2x mal am Tag .
Mein Tag beginnt um ca. 7 Uhr mit Frühstück etc…, um 8 Uhr fange ich im ACJ (CVJM) an zu arbeiten. Diesen Monat, also Oktober, bin ich bei den 0-6 Jährigen, den nächsten Monat werde ich voraussichtlich (das ist noch nicht ganz geklärt) bei den Älteren, den 6-11 Jährigen sein. (Die Kinder der Ana Frank Tagesstätte kommen alle aus armen Familien mit Problemen, wie Trennung, Gewalt, Drogen und Alkohol.) Die Kinder werden von 6 Uhr morgens bis 18.00 Uhr abends betreut, diese Schicht teilen sich zwei Frauen, Marta und Amelia, mit denen ich gut zurecht komme. Die Kinder kommen und gehen, den ganzen Tag über. Vormittags sind es in der Regel weniger, so zwischen 8 und 14, nachmittags übersteigt es meistens die 20.
Wenn ich zur Arbeit komme, wird man sehr herzlich begrüßt und ich steige die Treppen zur Guardería hinauf. Die Kinder freuen sich auf einen; dann wird gebastelt, gemalt, gespielt, gelesen, geschlafen, gebetet, gegessen, gesungen, getobt, getanzt, ferngesehen, geknuddelt und gekuschelt. Auch wird gelernt, welcher Tag heute ist, wie man Zahlen schreibt, Schuhe bindet oder was Quadrate sind.
Die Kinder sind sehr anhänglich, besitzergreifend, herzlich, rotzfrech, wissbegierig und geduldig (z.B. beim Wiederholen ihrer Sätze, wenn ich sie mal wieder nicht verstanden hab ). Sie brauchen viel Aufmerksamkeit, Zuneigung, Herausforderung, Grenzen und Förderung. Ich muss lernen, mich noch besser durchzusetzen.
Besonders finde ich, dass die Kinder sich gegenseitig unheimlich viel geben, sie streiten zwar miteinander, aber wenn einer weint, oder traurig ist, sorgen sich die Kinder um den anderen, das fängt schon bei den Kleinsten der Gruppe an.
Vormittags gibt es für alle einen Obstsnack, Mittags ein nahrhaftes Essen, danach einen Mittagsschlaf, für die kleinen in den Gitterbettchen, für die etwas älteren auf Matten in der Turnhalle. Anschließend gibt es einen Nachtisch. Ich selbst esse alle Mahlzeiten mit und verbringe meine Mittagspause mit meiner Mitvoluntärin Jaci, den Angestellten des ACJ, am Telefon oder am PC . Gegen 17:00 Uhr endet mein Tag mit den Kindern im ACJ.
Am 13. Oktober war eine Reunión (Zusammenkunft) der Eltern der Kinder, die in der Ana Frank Tagesstätte sind. Dort wurden Jaci und ich den Eltern vorgestellt und wir haben ein paar Bilder von unseren Heimaten gezeigt.
Jeden Montag um 19:00 Uhr, gehe ich zu einer Reunión der Jugendlichen des CVJMs. Die meisten sind zwischen 15 und 21 Jahre alt. Es werden verschiedene Aktionen geplant, besprochen und durchgeführt; außerdem wird gespielt, gegessen, gebetet und meistens eine Andacht gehalten. Ich fühle mich dort sehr wohl, die Leute sind sehr nett. Am 24. Oktober war zum Beispiel ein Verkleidungsfest .
Ich finde das Busfahren hier sehr bemerkenswert, deshalb hab ich beschlossen, diesem einen eigenen Absatz zu widmen . Im Gegensatz zu Deutschland, gibt es hier nämlich keine Busfahrpläne. Man stellt sich einfach an die Bushaltestelle (die wirklich sehr nah beieinander liegen) und wartet bis ein Bus kommt. Manchmal kommen gleich 3 auf einmal, manchmal wartet man aber auch etwas länger bis ein Bus kommt. Als Busfahrer muss man hier sehr viel Geduld haben, denn erstens der Verkehr ist eine absolute Katastrophe (die Leute fahren wie die Verrückten), zweitens steigen unterwegs häufig Leute noch zu und drittens, wenn ihr die Möglichkeit habt in Costa Rica Bus zufahren, macht das , das ist wirklich ein Erlebnis!
Apropo Busfahren ;) Letztes Wochenende, habe ich die vierstündige Busfahrt durch Land und Schlaglöcher auf mich genommen, um die Familie von Aileen kennenzulernen (Aileen ist eine Tica, die für ein Jahr in meiner Familie in Deutschland gelebt hat.). Aileens Familie lebt in Nicoya, in der Provinz Guanacaste, ganz nah am Strand, auf dem Land. Exotische Blumen, Pflanzen, Tiere (Geccos an der äußeren und inneren Hauswand, eine Affenfamilie im Freibad ) und sehr liebe Menschen findet man dort vor. Sonntag haben wir einen wunderschönen Strand (Playa Flamingo) besucht; das Meer, die Wellen, die Muscheln, der Sand - Wahnsinn!
Ich war so begeistert, dass ich den ganzen Tag im Wasser verbracht hab und die wirklich hohen Wellen genossen hab. Es war ein sehr schönes und nasses Wochenende, sowohl von oben als auch von unten .
Ich bin Gott sehr dankbar, dass er mich all die schönen Dinge erleben lässt und mir sehr liebe Menschen schenkt, die sich um mich kümmern. Ich bitte ihn, mir die richtigen Ideen, Geduld, Kraft und Liebe für die Kinder zu schenken. Ich bin wahnsinnig gerührt von eurer Anteilnahme und bedanke mich ganz ganz herzlich, Eure Rückmeldungen tun mir sehr gut, Vielen Dank! Seid gesegnet, Eure Ruth
PS: Wer diesen Rundbrief nicht bekommen möchte, einfach Bescheid sagen, ich bin keinem böse ;) und wer ihn bekommen möchte und nicht bekommt, einfach schreiben oder weiterleiten!!
PPS: Ich hab einen Blog: www.free-blog.in/RuthinCostaRica
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