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3. Rundbrief von Ruth Schulze aus Costa Rica

Hallihallo ihr Eingeschneitrund3en

Von Schnee kann ich hier nicht reden, denn bei mir hier in Costa Rica wird’s so langsam aber sicher Sommer. Auch wenn im Moment der Wind einem ganz schön um die Ohren pustet, hat der Regen aufgehört und die Temperaturen steigen!

Am 1.Dezember haben meine Kleinen Kinder nicht nur ihren Adventskalendar einweihen dürfen, den ich für sie gebastelt habe, sondern ich durfte auch meinen Geburtstag feiern. Ich wurde ein Jahr älter und mit dem einen Jahr wohl auch reifer und klüger… ;)! Nein, Scherz beiseite!

Ich habe wohlklingende Geburtstagsständchen bekommen (nicht nur auf Spanisch), liebe Umarmungen, tolle Anrufe und Emails, ein RiesenPlakat mit lauter schönen Sachen drauf (gemalt von den Kindern und verziert jetzt meine Zimmerwand) und zwei echt leckere Torten. Eine von Don Luis, die wir alle zusammen, Kinder, Mitarbeiter und sonstige Anwesenden ;) ratzeputz aufgegessen haben. Die andere von meiner tollen Gastfamilie, mit der ich meinen Geburtstagabend wunderschön verbracht habe. Es hat zwar den ganzen Tag geregnet, aber ich hatte einen wirklich tollen Tag! Vielen lieben Dank an alle Emailschreiber, Anrufer, Singer und Freunde hier und in Deutschland, die mir diesen Tag so schön gemacht haben.

Ich muss sagen, hier weihnachtet es sehr. Am Samstagnachmittag vor dem 1. Advent durfte ich in das Vergnügen kommen 4 Stunden lang mit meiner Gastmama das Haus zu schmücken. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich einen Plastikweihnachtsbaum aufgestellt (die sehen sogar fast echt aus) und geschmückt. Nicht-Weihnachts-Dekorations-Artikel wurden alle eingesammelt, gut verpackt, verstaut und durch Weihnachts-Dekorations-Artikel ersetzt. Zusätzlich wurden Girlanden und sonstiger Weihnachtsschmuck, wie zum Beispiel ein Toilettenpapierüberzieher oder ein Toilettendeckelüberzieher aufgehängt und wo der Nagel für die Weihnachtsgirlande nicht ganz gepasst hat, wird einfach ein neuer an einer passenderen Stelle reingeschlagen. Allem in allem ist uns das Weihnachtsdekorationswerk wirklich gut gelungen und eine wunderschöne Krippe thront neben dem bunt beleuchteten Weihnachtsbaum. Zum Abschluss hat Johanny sogar einen Adventskranz mit Zypressenzweigen angefertigt, die dann richtig nach Tannennadeln gerochen haben und meine Weihnachtsstimmung und Freude auf Hochtouren gebracht haben. (Ich war schon ein bisschen wehmütig, weil ich dachte, hier gibt es keine Adventskränze.) Hier in Costa Rica sind die Farben der Adventskranzkerzen Lila und Rosa; drei Lilane und eine Rosane. Die Rosane wurde am 3. Advent angezündet und weist auf die Dreieinigkeit Gottes hin. Am 1. Advent ging es um die Mittagszeit mit meiner Gastfamilie in die katholische Messe, um den Adventskranz mit Weihwasser segnen und die 1. Kerze vom Pfarrer anzünden zu lassen.

Zur Weihnachtszeit wichteln die Ticos unglaublich gerne. Das nennt sich hier „Amigo secreto“ („geheimer Freund“) und wird überall gespielt, in meiner Gastfamilie, im ACJ mit den Mitarbeitern und mit den ACJ – Jugendlichen. Meistens schenkt man mehrere Male ein kleines Geschenk und am Ende kurz vor Weihnachten ein Großes, aber es gibt variable Spielweisen.

Apropo Weihnachten im ACJ; Es wurde schon fleissig geschmückt und gebastelt und am 2. Dezember haben wir die „Iluminación del Árbol“ („Erleuchtung des Baumes“) gefeiert. Es wurden alle Kinder mit ihren Eltern eingeladen, es gab Weihnachtslieder („von uns wunderschön vertont“), Theaterstück, Schwarzlichttheater, Essen und Trinken und natürlich den Strom, um viele, viele bunte Lichterketten des Baumes zu erhellen. Es war ein wirklich sehr schöner Abend.

Den Weihnachtsstress merkt man trotz allem auch hier im ACJ, denn zu den Weihnachtsfeiern, Weihnachtsvorbereitungen und Weihnachtsaktionen, kommt hinzu, dass hier in Costa Rica das Jahr der Schule, der Kindergärten und der Kindertagesstätten endet und somit viel aufgeräumt, geputzt, ausgemistet und Organisatorisches geregelt werden muss.

Deshalb freuen sich alle, Groß und Klein, sehr auf die Weihnachtsferien, die für mich am 23. Dezember beginnen. Da bleibt Zeit zum Erholen, Zeit für meine Ticofamilie, Zeit für Aileens Familie und Zeit für Reisen durch das Land. Ich freue mich schon sehr darauf!

Am 16. Dezember war das Weihnachtsfest und Abschlussfest für die Kinder von Ana Frank; Alle haben sich sehr hübsch gemacht, es kamen sogar Prinzessinenkleidchen und blonde Perücken zum Vorschein :D, die Sonne hat geschienen, es wurde gespielt, Kinder wurden geschminkt, es gab Pizza, Kuchen und Eis  und unter dem großen Tannenbaum lag für jedes Kind ein Geschenk mit Namen. Die Kinder waren alle sehr aufgedreht und teilweise außer Rand und Band. Leider ist an diesem Tag der Strom ausgefallen, sodass wir nur einen von der Sonne beleuchteten Weihnachtsbaum hatten.

Inzwischen habe ich schon mehrere Tage mit den großen Kindern, den 7 bis 12 Jährigen, verbracht. (Zur Zeit tausche ich mit meiner Mitvoluntärin Jaci wöchentlich zwischen den Kleinen und den Großen). Mein Tag fängt dann um 9 Uhr an und hört um 18 Uhr abends auf. Ab 17:00 Uhr bin ich alleine für die Kinder da. Auch wenn man es sich gar nicht so vorstellen kann, ist es ein Arbeiten, dass sich in vielerlei Hinsicht zur Arbeit mit den Jüngeren unterscheidet. Die Kinder sind älter, (somit teilweise auch schon in der Pubertät und dessen Auswirkungen), schwierig, voller Tatendrang, aktiv, herzlich, liebensbedürftig und wissbegierig. Es herrscht oft ein rauher Umgangston und aus spielerischen Kabbeleien kann auch schon mal eine

blutige Schlägerei entstehen. Trotz der vielen Emotionen halten die Kids zusammen und sind füreinander da. Es wird Kicker, Fussball, so eine Art Völkerball, Steh-Geh, Verstecken, Fangen oder Pantomime gespielt, Hüpfseil gesprungen und getanzt. Wir malen (da sind richtige Künstler dabei), basteln, singen, weinen, lachen, streiten, reden, kuscheln, erzählen Witze, beten, lernen Deutsch, üben Englisch (ich komm mit den Sprachen dann immer ganz durcheinander) und erkennen mathematische Logik (Mathe auf Spanisch zu erklären ist auch so eine Wissenschaft für sich).

Im Moment sind seit Anfang/Mitte Dezember Schulferien und so verbringen meistens um die 20 Kinder den Tag mit mir im ACJ. Normalerweise hat ein Teil vormittags und ein anderer Teil nachmittags Schule, aber nicht sonderlich viele Stunden.

Bei den Kleinen kann Andrew nun laufen und erkundet fleissig die Gegend. Sebas spricht schon immer mehr und kann inzwischen auch „Ruth“ (oder sowas in der Art) sagen. Es ist wirklich beeindruckend, die Entwicklung der Kinder mitzuerleben.

Mein Chef, Don Luis ist am Montag, dem 13. Dezember, 9 Uhr morgens stolzer Großvater seines ersten Enkels geworden. Der Kleine heißt Emanuel und bedeutet „Gott ist mit uns“. Dienstag kam Don Luis sehr glücklich in den ACJ und ich freue mich sehr mit ihm!

Gerade in der Weihnachtszeit achtet man besonders auf seine Familie und Freunde, denn Weihnachten ist das Fest der Liebe. So ist es kein Wunder, dass mir trotz der tollen Menschen hier, meine Lieben in Deutschland fehlen und ich in dieser Zeit doch noch etwas mehr an mein zu Hause in Deutschland denke. Trotzdem freue ich mich auf Weihnachten und bin gespannt, es mit meiner Gastfamilie in Costa Rica zu verbringen. Das Wichtigste an Weihnachten ist ja, dass Jesus Christus geboren ist und das gilt für alle Menschen, egal in welchem Land.

Ich wünsche euch allen eine gesegnete Adventszeit, ein frohes Weihnachtsfest und ein gesundes neues Jahr 2011!

Alles Liebe,

Eure Ruth

Blog: www.free-blog.in/RuthinCostaRica

 

 

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