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6. Rundbrief von Ruth Schulze aus Costa Ricca

Hallo meine Lieben im fernen Deutschland,

rundbrief mai_1024x766Die Osterwoche, hier „Heilige Woche“ („Semana Santa“) genannt, hab ich mit meinen Eltern und Aileen verbracht. Wir waren zusammen in Montezuma und haben dort Kolibris, Affen, Froschquaken, Schmetterlinge, Kühe mit Riesenohren, Strand, meterhohe Wellen, Wasserfälle, eine wunderschöne Landschaft, Kilometerlange Erdstraßen (ab und zu mit Stier mittendrauf), Pool, Palmen, ausgefallene Pflanzen, Plantagen jeglicher Art (Tiekbäume, Honigmelone, Salz, … ) und eine tolle Gemeinschaft genossen. Gründonnerstag sind wir nach Nicoya zu Aileens Familie nach Hause gefahren. Dort verbrachten wir gesegnete Tage miteinander. Karfreitag konnten wir an einer beeindruckenden Prozession teilnehmen, die tief berührt hat.
Den Kindern in Costa Rica erzählt man, dass sie am Karfreitag, wenn sie auf einen Baum klettern, ein Affe werden und wenn sie im Wasser planschen, ein Fisch werden. Auch wird geglaubt, dass der Teufel am Karfreitag durch die Straßen zieht.
Karsamstag verbrachten wir am Strand und genossen die Wellen, Sonne (das hatte Sonnenbrände zur Folge!!!) und das Miteinander. Ostersonntag nahmen wir gemeinsam mit Familie Orozco ein leckeres und gesegnetes Osterfrühstück ein und zündeten die Osterkerze an. Ich bin Gott sehr dankbar für diese berührenden Begegnungen, Bewahrung und gute Zeit. Seit Anfang Mai übe ich mich als Lehrerin und beginne den Unterricht mit „Hallo liebe Kinder“. Denn jeden Dienstagabend gebe ich mit Hilfe meiner Mitvoluntärin Jaci den aktiven Mitgliedern des ACJ Purral Deutschunterricht. In der Regel kommen so 6 bis 12 (meistens) aufmerksame Jugendliche, um unsere Muttersprache zu lernen. Ein Grund der großen Motivation, Deutsch zu lernen, ist; dass ab September 2011 jedes Jahr ein aktives Mitglied für ein Jahr in den CVJM Otterberg (Zentrale des CVJM Pfalz) gehen kann und ein Freiwilliges Soziales Jahr ableisten darf. Über diese Möglichkeit für die jungen Leute von hier freu ich mich, freut sich Don Luis und wohl noch viele andere sehr arg und wir sind Gott sehr dankbar, denn das ist für viele eine einmalige und einzigartige Chance, so eine wertvolle Erfahrung zu machen. Durch das Unterrichten meiner Muttersprache, lerne ich unsere Sprache selbst auch nochmal auf eine ganz andere und intensivere Weise kennen - was wir für Laute haben … Wahnsinn!!
Meine großen Kinder im ACJ erhalten neuerdings nicht nur Englisch -, sondern auch Computerunterricht. Alte Computer neu hergerichtet, Tische und Stühle sinnvoll platziert – ein kleiner und schöner Computerraum mit 4 funktionierenden Geräten entsteht! – Kinder außer Rand und Band. Nun lernen meine Schützlinge einmal wöchentlich den Computer richtig zu betätigen, Word, Excel, PowerPoint, Internet (Google, Wikipedia, etc…) und Weiteres sinnvoll zu nutzen. Wenn sie eine Aufgabe gut erledigt haben, darf das Computerspiele spielen natürlich auch nicht fehlen, doch manchmal benötigen die älteren Computer recht lange zum laden mancher Spiele, was eine harte Geduldsprobe für die jungen Menschen sein kann. – Aber sie üben sich. Mai war der Monat des Wertes „Ehrlichkeit“ (Honestidad), Juni ist der Monat des Wertes „Freundschaft“ (Amistad). Gemeinsam gestalten wir dazu ein Plakat und die Kids dürfen selbst schreiben, was für sie die Werte bedeuten. In diesem Monat haben wir zusätzlich auch eine Freundschaftspost eingerichtet. Jedes Kind (ich auch :D) hat seinen Briefumschlag, in dem seine Kameraden Briefe reinstecken können, meistens quillen die Briefumschläge über vor Post.
Ich arbeite nach wie vor sehr gerne mit meinen Kindern. Auch wenn es manchmal nicht ganz einfach ist; Ich liebe sie und bin sehr dankbar, dass es sie gibt!! Ich bitte euch, um Gebete, speziell für diese so wertvollen Kinder, die es oft sehr schwer haben und in Situationen leben und mit Problemen konfrontiert sind, die für uns nur schwer vorstellbar sind. Seit 2 Wochen arbeite ich jeden Tag von 8 Uhr bis 17 Uhr, egal, ob ich bei den Großen oder Kleinen bin. Das bedeutet, dass ich mit den Großen den Tag beginne und wir gemeinsam ein christliches Lied anhören, einen Psalm aus der Bibel lesen und danach gemeinsam beten. Für mich persönlich ist das ein sehr schönes Erlebnis, wie die Kids während des Liedes relativ ruhig werden, mitsingen und manche Psalme auswendig mitsprechen können. Mit zwei Kindern versuchen wir lesen und schreiben zu üben,
denn trotz ihrer (bald) 8 Jahre (und 1./2. Schuljahr, das sie zum 2. Mal machen) beherrschen sie dies leider noch nicht. Der Wille ist da!!! Und es wäre wirklich ein Geschenk, wenn sie das noch erlernen.
Oberhalb von meinem Wohngebiet und dem ACJ fangen die ärmeren Viertel und wirklich sehr armen Gebiete an. Mein persönlicher Wunsch war es, das mal zu sehen. Denn die Mehrheit meiner Kinder kommt zwar meistens nicht direkt aus diesem Armenviertel, aber aus armen Verhältnissen. Auf diese Weise ist Don Luis mit mir mit dem Auto durchgefahren und hat mir diese Gegend gezeigt. Es war für mich eine sehr wichtige und beeindruckende Fahrt. Mir kam es vor, wie nochmal eine eigene kleine Stadt. Wir sind Vormittags gefahren, denn Nachmittags ist es zu gefährlich. In manche Straßen sind wir nicht reingefahren, denn das wäre zu riskant gewesen. Auf der Straße wird Marihuana geraucht und andere Drogen eingenommen. Es gibt Viertel mit Hütten aus Welchblech und gegenüber sind wunderschöne große Häuser mit schickem Auto vor der Haustür. (Als ich das meiner Gastmama erzählt habe, meinte diese, die Häuser wären von denen, die die Drogen verkaufen.) Es war für mich eine erschütternde und wichtige Erfahrung.
Am Freitag, dem 13. erlebte ich wohl mein Erstes heftigeres Erdbeben. Die Ticos unterscheiden hier zwischen 2 Arten von Erdbeben: „Die Erde bebt“ – ein relativ sanftes, sehr kurzes Erschüttern der Natur, das häufig vorkommt und man manchmal gar nicht bewusst wahrnimmt. „Erdbeben“ – ein stärkeres bis starkes, ein längeres bis langes Beben der Erde. An jenem Freitag, erschütterte ein Erdbeben von ca. 5,9 die Gebäude, Straßen, Häuser und Kirchen Costa Ricas. Gott sei Dank ist in meiner Gegend nichts passiert und alle Menschen wohlauf. Als wir aus dem oberen Stockwerk des ACJ Gebäudes mit den Kindern nach draußen geflüchtet sind, fragten mich einige, warum wir denn jetzt hier draußen sind. Auf meine Antwort, dass die Erde gebebt hat, bekam ich die Frage, ob sie denn immer noch bebt. Ich denke eigentlich, ist das gut so eingerichtet, dass die kleineren Kinder meist gar nicht merken, wenn die Erde bebt.
Ende Mai hatte Dago, Verlobter meiner Gastschwester Geburtstag. Meine Gastschwester hat eine Überraschungsparty für ihn gemacht, die wirklich gelungen ist.  Karaoke, Tänze, Kuchen, Luftballons alles war dabei. Es war ein wunderschönes Fest, was ich sehr genossen habe.
So, meine Lieben, Ich schicke Euch die allerbesten Grüße aus Costa Rica,
Bis Bald,
Eure Ruth
PS: Ich hab einen Blog: www.free-blog.in/RuthinCostaRica und unter www.kirche-kasendorf.de kann man Informationen und Kontakt finden.

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