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4. Rundbrief von Nora aus Costa Rica

 Hallo zusammen,

die Zeit rast davon und somit ist es mal wieder an der Zeit, euch einen kleinen Bericht zu erstatten. Es bricht nun schon das letzte Drittel meiner Zeit hier in Costa Rica an und es ist unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht. Wir fangen schon an, die Wochenenden zu zählen, die uns noch bleiben, um Dinge zu unternehmen, Orte zu besuchen, Freunde zu treffen,... Aber das Ende meines Freiwilligendienstes bedeutet auch, dass ich wieder Besuch bekommen werde, diesmal von meinem lieben Bruder und seiner Freundin. Darauf freue ich mich natürlich auch unglaublich. Ich durfte ja inzwischen schon die schöne Erfahrung machen, wie es ist, dieses ganz neue, andere Leben und dieses wunderschöne Land den Menschen zu zeigen, die man kennt, und die mich kennen.

Der dreiwöchige Besuch meiner Eltern und meiner Schwester war eine ganz besondere Zeit. Endlich konnte ich ihnen alle Menschen, die hier meinen Alltag begleiten, vorstellen, sie konnten meine Kinder, die mir so sehr ans Herz gewachsen sind, ein bisschen kennenlernen, und natürlich auch meine Gastfamilie. Wenn man das alles sieht, versteht man doch so manches um einiges besser als nur durch das Erzählen. Die Kinder haben sich mindestens genauso wie ich über den Besuch meiner Familie gefreut, sie waren an dem Tag, an dem sie zur ACJ kommen sollten, furchtbar aufgeregt und haben schon den ganzen Tag wieder und wieder gefragt: „Wann kommen sie, wann kommen sie? Und bringen sie uns einen Fußball mit?“.

Einen Fußball haben sie zwar nicht mitgebracht, dafür aber – unter anderem dank der großzügigen Spenden aus meiner Kirchengemeinde – eine Slackline, verschiedene Springseile, Gummitwists und einen Fallschirm; für jede Gruppe war also etwas dabei. Die neuen Spielsachen wurden natürlich sofort ausprobiert und sind auf riesengroße Begeisterung gestoßen. An dieser Stelle ein großes DANKESCHÖN nach Deutschland, dass ihr das möglich gemacht habt!!! Die Slackline ist wirklich eine ganz besondere Attraktion für die Kinder, das kennen sie nämlich aus einer Fernsehsendung, die hier alle schauen. ☺Es war wirklich toll zu beobachten, wie manche Kinder schon nach kurzer Zeit raushatten,wie sie es am besten anstellen, die Slackline zu passieren. Und es ist faszinierend, wie sie sich plötzlich gegenseitig helfen, Tipps geben und eine wahnsinnige Geduld und Konzentration aufbringen können. Die Springseile kommen vor allem bei den Mädchen gut an, so haben sie draußen auch mehr Möglichkeiten zu spielen außer Fußball oder mit Kreide malen. Und unsere Kleinen erfreuen sich an dem Fallschirm, sie sind ganz aus dem Häuschen, wenn das große Schwungtuch durch die Luft fliegt oder sie darunter in einem Zelt sitzen. 

Ich hatte auch die Möglichkeit, eine ganze Woche zusammen mit meinen Eltern und meiner Schwester zu reisen. Wir haben uns entschieden, uns (in unserer gemeinsamen Zeit) auf zwei Orte zu beschränken, um so die Zeit auch richtig genießen zu können. Und das haben wir auch. Zuerst sind wir nach La Fortuna gefahren, wo der berühmte Vulkan Arenal liegt. Trotz viel Regen konnten wir den beeindruckenden, majestätisch aufragenden Vulkan bewundern, sind bei schwüler Hitze zum Wasserfall gewandert, über Hängebrücken durch den Regenwald und haben auch noch einen Tagesausflug zum Río Celeste gemacht, der etwas weiter nördlich bei einem anderen Vulkan liegt. Dieser Fluss ist bisher das schönste, was ich hier in Costa Rica gesehen habe. So etwas beeindruckendes habe ich vorher noch nie erblickt. Wir haben eine Tour mit einem Guide gemacht, der uns durch den matschigen Nationalpark geführt hat, entlang dem himmelblauen Fluss, mit Zwischenstopp an einer heißen Quelle, in der wir uns ein Bad natürlich nicht entgehen lassen konnten. Weiter ging es zu dem Zusammenfluss von zwei Flüssen, bei dem eine chemische Reaktion stattfindet, die die besondere Färbung des Río Celeste bewirkt. Wir kamen auch an einer Stelle vorbei, wo Blubberbläschen im Fluss aufsteigen, weil an dieser Stelle der Vulkan Gas entlässt – ein Zeichen dafür, dass er noch aktiv ist. Der Höhepunkt war ein großer Wasserfall wie aus dem Bilderbuch mit anschließender Flussdurchquerung. Nach mehreren Stunden kamen wir glücklich und geplättet von so viel beeindruckender Naturgewalt wieder beim Parkplatz an und es ging zurück zum Hotel, um am nächsten Tag dann per Jeep-Boat-Jeep-Tour weiter zu unserem nächsten Ziel zu fahren: Monteverde.

 Monteverde kannte ich selbst schon, wollte es meiner Familie aber unbedingt zeigen, da ich so begeistert davon war, als ich diesen Ort in den Bergen nördlich von San José besucht hatte. Die Hauptattraktion Monteverdes sind Nebelwaldreservate mit einer beeindruckenden Vegetation, wo man mit ein bisschen Glück und einem guten Guide viele Tiere sehen kann. Auf einer unserer Touren haben wir doch dann auch tatsächlich den berühmten Vogel Quetzal erblicken können. Nach einer erfüllenden Woche voller Familienglück, Heimatgefühle für mich und Naturwunder ging es dann wieder nach San José und für mich zurück an die Arbeit.

Kurz nach dem Besuch meiner Familie, bekam auch Hanna Besuch von ihren Eltern und ihrem Bruder. Da mein Geburtstag in ihren Aufenthalt fiel, luden sie mich ein, mein Geburtstags-Wochenende mit ihnen am Strand an der Pazifikküste zu verbringen. Da Hanna schon eine Woche vorher mit ihnen unterwegs war, machte ich mich dann alleine auf den Weg und stieß an der Playa Sámara zu ihnen. Wir verbrachten ein sehr schönes, sonniges Wochenende dort und für mich war es sehr schön, meinen Geburtstag nicht allein zu verbringen, da meine Gastmama in San José auch nicht da gewesen wäre – auch wenn es sich trotz allem nicht so richitg angefühlt hat wie Geburtstag. In Costa Rica kann man sowieso ganz einfach glatt dreimal Geburtstag feiern: einmal vorfeiern, einmal am eigentlichen Geburtstag feiern, und einmal nachfeiern. Da sich an meinen Geburtstag nämlich die Osterwoche anschloss, die einzige Zeit außer Weihnachten, in der die Kindertagesstätte geschlossen ist, feierten wir meinen Geburtstag in der ACJ also einfach schon am Freitag. Ich wurde überhäuft mit Karten, Umarmungen und Küssen von den Kindern, sie haben mir alle gesungen und es gab Kuchen. Schon ein paar Wochen nach meinem Geburtstag gab es dann noch die „Nachfeierei“. Da meine Gastmama ja an meinem Geburtstag nicht da war, machte sie mir an einem anderen Tag ein Abendessen, zu dem auch zwei meiner Gastschwestern, der Mann meiner einen Gastschwester und Hanna eingeladen waren. Es gab Lasagne – da konnte wohl jemand Gedanken lesen, was ich mir zu Hause des öfteren als Geburtstagsessen wünsche – und weil wir eben in Costa Rica sind, gab es einfach noch Reis dazu, denn ein Essen ohne Reis ist kein Essen. Mir wurde nochmal gesungen und mir wurde wieder ein Kuchen mitgebracht. So habe ich also in einem Jahr drei wunderschöne Geburtstage gefeiert.

In unserer Kindertagesstätte haben wir seit neustem ein acht Monate altes Baby. Inzwischen hat es sich schon richtig gut eingewöhnt und ganz ruhig geworden, nachdem es uns am Anfang die ganze ACJ zusammengebrüllt hat. Das ist gar nicht so einfach, auf so ein kleines Kind, das noch nicht laufen kann und das alle andern Kinder am liebsten die ganze Zeit als Spielzeug benutzen würden zwischen einer Horde 20 anderer Kinder aufzupassen. Aber nach und nach entdecken wir immer mehr Möglichkeiten, wie unser neuster Schützling auch die Möglichkeit bekommen kann, ein bisschen zu spielen, ohne von liebevollen Kinderumarmungen erdrückt zu werden. Außerdem lernen grade unsere „Windelkinder“ alle gleichzeitig aufs Klo zu gehen – da kann man sich vorstellen, dass man da in den ersten Wochen ständig den Wischlappen holen muss. Es ist doch faszinierend für mich, wie man sich, wenn man seit acht Monaten tagtäglich mit diesen Kindern zusammenarbeitet, darüber freuen kann, dass sie sich einen ganzen Tag nicht in die Hose gemacht haben.

Mir wurde inzwischen auch noch eine weitere Aufgabe in der ACJ zugetraut: Seit drei Wochen gebe ich den Vorschulkindern des privaten Kindergartens der ACJ, der sich bei uns im Gebäude befindet, Deutschunterricht. Das ist eine ganz neue Erfahrung für mich, so kleinen Kindern, eine Fremdsprache beizubringen. Aber ich bin ganz begeistert und überrascht, wie gut sie ihre Sache machen. Sie sind mit viel Begeisterung und erstaunlich viel Konzentration dabei und können die für sie seltsam klingenden deutschen Wörter richtig gut aussprechen. So habe ich auf einen Schlag gleich zwölf weitere Kinder hinzugewonnen, die mir auf dem Flur „Haaaaaallo Noraaaaaa!“ zurufen.

Über den ersten Mai haben Hanna und ich uns mit zwei anderen deutschen Freundinnen nach Nicaragua aufgemacht. Durch den Feiertag hatten wir vier Tage zur Verfügung, die wir gleich genutzt haben. Morgens um sechs Uhr in der Frühe ging es mit dem Bus los, über die Grenze und nach achteinhalb Stunden kamen wir in der heißen, wunderschönen Kolonialstadt Granada an. Granada liegt am unglaublich riesigen Lago de Granada (der ist ca. 14mal so groß wie der Bodensee). Auf diesem See haben wir auch eine Bootstour gemacht, um einige der vielen kleinen Inselchen, die in dem See liegen, zu bestaunen. Die Inseln sind durch einen Vulkanausbruch des Vulkans entstanden, der mitten im See liegt. Heute werden sie von reichen Leuten, die meisten aus den USA gekauft, um sich schöne Ferienhäuser darauf zu bauen. Eigentlich wollten wir auch eine Tour auf den nahegelegenen Vulkan Masaya machen, allerdings hat uns da die Natur einen Strich durch die Rechnung gemacht: Er war gesperrt, weil er Steine spuckte. Dafür machten wir aber noch einen Ausflug an die Laguna de Apoyo, eine Lagune, die in einem früheren Vulkankrater entstanden ist und in der man heute baden kann. Außerdem haben wir auch den Kunsthandwerksmarkt der Stadt Masaya besucht – dort ließ sich durchaus die eine oder andere nette Sache finden.

Ansonsten bewunderten wir die Stadt Granada mit ihren farbenprächtigen Kolonialbauten, alten, majestätischen Kirchen und genossen es, auch einfach mal draußen in der Sonne im Café zu sitzen. Das kann man nämlich in San José nicht so gut.

Ich möchte mich hiermit noch einmal ganz herzlich vor allem im Namen aller meiner Kinder für eure großzügigen Spenden bedanken! Meine Eltern konnten von dem Geld ja schon einiges mitbringen, wie ich euch hier ja schon berichtet habe. Außerdem möchten wir von dem Geld noch Stelzen anschaffen. Und was dann noch über ist, werden wir an das Spendenkonto für Ana Frank des CVJM Pfalz überweisen, damit es dann „für wo am nötigsten“ eingesetzt wird.

Es grüßt euch ganz herzlich aus dem schon wieder regnerischen Costa Rica

eure Norita

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